Feuerwehrleute aus Ehringshausen und Ehringshausen-West lernten dazu

Kettenrettung muss nicht das „Ultima Ratio“ bei der Unfallrettung sein

Ehringshausen (dk). „Kettenrettung ist keine Hexerei, denn man brauch nur vier Ketten, dann ein bisschen ziehen und schon hat man Platz zum Retten geschaffen“, beschreibt Norbert Heinkel von der Berufsfeuerwehr Darmstadt die Rettungsmethode von Unfallopfern zum Beispiel bei Verkehrsunfällen in wenigen Worten. Der Feuerwehrausbilder hatte für die 31 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Ehringshausen und Ehringshausen-West im Bereich der technischen Hilfeleistung nicht nur den ein und anderen wertvollen Tipp parat, sondern lehrte die Brandschützer auf ihrem Ausbildungstag im Feuerwehrstützpunkt Ehringshausen auch in Fachvorträgen in Theorie und Praxis über Fahrzeug- und Rettungstechniken.

Als Anfang der 80er-Jahre der erste deutsche Pkw mit einem Airbagsystem ausgestattet wurde und das vor schweren Verletzungen schützende Aufprallkissen um die Jahrtausendwende erstmals serienmäßig in Fahrzeugen verbaut wurde, wurden die Feuerwehren vor eine schwierige Aufgabe gestellt. So änderten sich die Voraussetzungen für eine technische Unfallrettung von jetzt auf gleich grundlegend und die Feuerwehren meisterten ihre Arbeiten, nicht zuletzt wegen anfangs mäßiger Bereitstellung von Sicherheitshinweisen und Handlungsanleitungen für Einsatzkräfte durch die Automobilindustrie, mit gefährlichem Halbwissen. Rund 20 Jahre später stehen die Feuerwehren erneut vor einer ähnlichen schwierigen Aufgabe, denn im anbrechenden Zeitalter alternativer Antriebsarten sind zielführende Informationen rund um Elektro-, Wasserstoff-, Flüssiggas-, oder Erdgasmotoren betriebene Fahrzeuge Mangelkarten. „Fahrzeugspezifische Rettungskarten geben nur hilfreiche Tipps zum Erkunden und Grundregeln für technische Rettungsmaßnahmen“, erklärt Heinkel, der auch als Kreisausbilder im Bereich der technische Hilfeleistungsausbildung des Odenwaldkreises tätig ist. Um den Einsatzkräften der Dillgemeinde mehr Handlungssicherheit im Umgang mit Fahrzeugen mit alternativen Antriebsarten und „Hybridfahrzeugen“ zu geben, stellte der erfahrene Feuerwehrmann in der ersten Unterrichtseinheit der Ausbildungsveranstaltung wissenswerte Unterschiede vor und erinnerte an die AUTO-Regel als Basis aller Maßnahmen am Unfallfahrzeug. „Bei der Lageerkundung muss auf A wie auslaufender Kraftstoff, U wie Unterboden, T wie Tankdeckel und O wie Oberfläche mit Kennzeichnungen geachtet werden, um Gefahren für die Einsatzkräfte zu minimieren“, hebt Heinkel hervor.

Dem theoretischen Auftakt folgte die Praxis. „In nördlichen Ländern durch die ländlichen Strukturen bedingten langen Einsatzzeiten immer noch regelmäßig angewandt, rückte die Kettenrettung bei uns mit Einführung hydraulischen Rettungsgeräte immer mehr in den Hintergrund“, betont Heinkel und fügt hinzu, dass der Faktor Zeit hierbei die ausschlaggebende Rolle spielt. Die Rettung eines in seinem Pkw eingeklemmten Unfallopfers mittels Ketten dauert zwischen sechs und vierzehn Minuten, beim Einsatz von Rettungsschere und Spreitzer kann die Zeit halbiert werden. „Mal abgesehen von auftretenden Erschütterrungen und der Geräuschkulisse bietet die Kettenrettung bei einem erheblich deformierten Unfallfahrzeug viele Angriffsmöglichkeiten zur Rettung von Unfallopfern“, erklärt Heinkel und zieht den Vergleich mit einem Stück Papier. „Ein glattes Stück Papier lässt sich nur schwer auseinanderreisen, doch ein vorher zerknäultes Papier gibt schon bei geringem Kraftaufwand nach“, betont der Ausbilder, für den die Kettenrettung eine Alternative zum Einsatz von hydraulischem Rettungsgerät ist.

Den Einsatzkräften wird schnell klar, dass mit oder ohne Kette die Rettungsmethoden alle eines gemeinsam haben, denn wie beim Boxenstopp muss im Team jeder Handgriff sitzen. Um dies zu erreichen, wurde in der zweiten Halbzeit des Ausbildungstages nur noch an „Unfallfahrzeugen“ die Praxis geübt. Sei es die Rettung mit Hilfe von Ketten, oder die „Crash-Rettung“, wo der Zustand eines Unfallopfers keine Zeit für Alternativen lässt und eine schnellstmögliche Rettung erforderlich ist. „Natürlich steht eine schonende Rettung von Verunfallten immer an oberster Stelle, doch je nach Verletzungsmuster zählt jede Sekunde und es muss sofort, zur Not auch gegen die Schulbuchmeinung, gehandelt werden“, erklärt der Ausbilder und zeigte den Ehringshäuser Einsatzkräften, unter ihnen auch Gemeindebrandinspektor Heiko Emmelius, wie dies mit den in der Dillgemeinde zur Verfügung stehenden Mitteln erreicht werden kann.