Wie viele Städte und Gemeinden wuchs auch das kleine Dorf Ehringshausen ab Mitte des vorletzten Jahrhunderts sehr rasch. Der Brandschutz war vorher noch durch nachbarschaftliche Hilfe per Löscheimer „gewährleistet“, machte es der Anstieg der Bevölkerung und einige Großfeuer, die oft das gesamte Hab und Gut der einen oder anderen Familie verschlangen, auch in Ehringshausen notwendig, eine Pflichtfeuerwehr einzurichten. Somit war jeder männliche Bewohner zwischen 18 und 60 Jahren in der Feuerwehr dienstverpflichtet. Jedoch ist unserer Chronik zu entnehmen, dass die betroffenen Herren nur sehr „zögerlich“ ihren Pflichten als Brandschützer nachkamen. Es wurde berichtet, dass an der eigens angeschafften handbetätigten Feuerspritze nur zwei Übungen jährlich durchgeführt wurden. Zum Glück gab es damals umsichtige Bewohner unseres stetig wachsenden Ortes, denen bewusst wurde, dass auf dieser Basis kein ordentlicher Brandschutz zu gewährleisten war. Deshalb gründeten 42 Männer am 1. Oktober 1881 die Freiwillige Feuerwehr Ehringshausen.

Die Zeit von 1881 bis 1945


Unsere Freiwillige Feuerwehr war die erste Freiwillige Feuerwehr einer Landgemeinde im damaligen Kreis Wetzlar (heute Lahn-Dill-Kreis). Erster Kommandant, damals noch als Hauptmann bezeichnet, war Gennheimer. Das Problem, ohne geeignete Uniformen und Gerätschaften den Brandschutzdienst abzuleisten, veranlasste die Wehrmänner dazu, Sammlungen durchzuführen. Dass Feuerwehrleute immer wieder, damals wie heute, selbst tätig werden müssen, beweist das Steighaus (auf Gründerfoto, 1897 durch Sturm zerstört), welches die 42 Männer in Eigenregie errichteten. Zerwürfnisse untereinander führten im Jahre 1884 beinahe zur Auflösung der noch jungen Feuerwehr. Dem neu gewählten Kommandanten Emil Jassoy gelang es jedoch, die zerstrittenen Kameraden wieder zu einen. Da es noch keine einheitliche Übungsreglementierung gab, kam es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten, wie der Dienst einer Freiwilligen Feuerwehr zu gestalten sei. Jedoch konnte sich mit der Zeit immer besser an den Dienst- und Übungsplänen der Anfang des letzten Jahrhunderts verstärkt gegründeten Berufsfeuerwehren in den Großstädten orientiert werden. So standen 1914, zu Beginn des ersten Weltkriegs, 75 Männer in den Reihen der Ehringshäuser Feuerwehr. In den Jahren zwischen 1914 und 1918 liessen viele Kameraden, wie aus allen Feuerwehren dieser Zeit, auf den Schlachtfeldern Europas ihr Leben. Die wenigen Heimkehrer nahmen nach Kriegsende selbstlos den Feuerwehrdienst in ihrer Heimatgemeinde wieder auf. Doch kaum, dass der Feuerwehr- und auch Lebensalltag wieder seinen geregelten Ablauf fand, forderte der zweite Weltkrieg erneut seinen tödlichen Tribut von der Ehringshäuser Bevölkerung. Auch nach den Jahren 1939-1945 kamen nur die wenigsten Kameraden nach Hause zurück. Ungeachtet der vielen Kameraden, die nun in den Reihen unserer Wehr fehlten, konnte die Feuerwehr Ehringshausen zu Kriegsbeginn komplett motorisiert werden. Dies war vor allem der Verdienst des damaligen Bürgermeisters und späteren Ehrenbrandmeisters Heinrich Nell. Dieser damalige hochwertige technische Stand und die Bombardements der Alliierten veranlassten die Behörden des Deutschen Reiches, die Ehringshäuser Wehrleute bis nach Kassel, Siegen und Frankfurt zu schicken, um die dort wütenden Feuersbrünste zu bekämpfen. In dieser Zeit machten sich vor allem die Brandmeister Heinrich Eckhardt und Fritz Huttel um die Feuerwehr verdient.

Die Zeit von 1946 bis heute


 
Nach dem Ende des zweiten verlorenen Krieges gelang es seinerzeit Heinrich Schmidt, die stark resignierenden Männer des Ortes wieder für die Feuerwehr und ihre gute Sache zu gewinnen. Damals traten viele junge Männer den Ehringshäuser Brandschützern bei. So gingen die Jahre ins Land und die Ehringshäuser Feuerwehr bewältigte ohne personelle Schwierigkeiten zahlreiche Einsätze auf regionaler und überregionaler Ebene. 1961 kam es dann durch viele alters- und berufsbedingte Austritte zu Engpässen im Bereich der Löschmannschaft, die der damalige Wehrführer Heinrich Eckhardt durch gezielte Neuwerbung von jungen Mitgliedern sehr gut zu kompensieren wusste. Unter der Regie des Nachfolgers von Heinrich Eckhardt, Friedrich Schmidt, konnte die Wehr das 1943 angeschaffte Löschfahrzeug durch ein LF 8 TS ersetzen. Diesem Fahrzeug folgte wenig später ein TSF auf Ford Transit. Mit diesen Fahrzeugen rückte unsere Feuerwehr bis zum Jahre 1974 zu ungezählten Einsätzen aus ihrem Domizil, dem „Bullenstall“ (tatsächlich ein umfunktionierter Stall) aus. Unter Ortsbrandmeister Otmar Schmidt (damals der jüngste Kreisbrandmeister im Kreis Wetzlar) zog die Wehr am 20. September 1974 in den neu erbauten Stützpunkt ein. Hier
standen nun acht Stellplätze zur Verfügung, die mit der Zeit alle mit Einsatzfahrzeugen versehen wurden. Bis Ende 2002 stand noch hinter jedem Tor ein Fahrzeug, wobei wir im Sinne der Modernisierung und Effizienzsteigerung unser altes TLF 16/25 (Bj. 1973) und unser RW1 (Bj. 1976) durch ein nach Baurichtlinie Hessen zugelassenes HTLF 16 ersetzt haben. Im bisherigen Einsatzdienst hat sich dieses Fahrzeug hervorragend bewährt. Ergänzt wird unser Fuhrpark ebenfalls seit Ende 2002 durch einen von privat erworbenen und in vielen Stunden Eigenleistung umgebauten GW-N mit Ladebordwand. Dank dieses „neuen“ Fahrzeuges konnten wir unser altes Versorgungs- und Nachschubfahrzeug, einen fast 40 Jahre alten Ford Transit und unseren 26 Jahre alten SW 1000 ausmustern. Somit stehen in unserer Fahrzeughalle hinter acht Toren „nur noch“ sieben Fahrzeuge. Im Laufe der Zeit wurde trotz der knappen finanziellen Mittel, die unserer Gemeinde Ehringshausen zur Verfügung standen, der Fuhrpark der Feuerwehr stetig erweitert und damit die Schlagkraft der Truppe gewaltig erhöht. Im Jahre 1981 beging unsere Feuerwehr ihr 100-jähriges Bestehen. Damals wurde in Ehringshausen in Verbindung mit dem Nassauischen Feuerwehrverbandstag ein viertägiges Jubiläumsfest ausgerichtet. Schon damals beschäftigten sich die Mitglieder unserer Wehr unter Führung des damaligen Ortsbrandmeisters Otmar Schmidt und des damaligen Wehrführers Alfred Lehmann mit dem Problem Personalmangel, das insbesondere die Ernennung zum Stützpunkt mit sich brachte (es fehlten 30! Aktive). Trotz dieser vielen Probleme, die in den Jahren seit bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Ehringshausen zu bewältigen waren, so war der Brandschutz in unserem Dörfchen doch in den 120 Jahren seit der Gründung der freiwilligen Feuerwehr gesichert. Heute verfügen wir über eine Wehr, die gewappnet ist, jeder Naturgewalt zu trotzen und im Notfall in jeder möglichen oder unmöglichen Situation ihrer Bevölkerung hilfreich zur Seite zu stehen. Dies ist ein großer Verdienst der Männer und Frauen, welche sich selbstlos und tapfer in all den Jahrzehnten in den Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Ehringshausen gestellt haben. Ihnen, sowie besonders unseren Wehrführern, die ich nachstehend noch aufzählen möchte, gebührt der Dank und die Anerkennung der Bevölkerung Ehringshausens.

Die Wehrführer von 1881 bis 2005
 1. Gennheimer
 2. Jassoy
 3. Delboi
 4. Aschenhold
 5. Buschan
 6. Neuhaus
 7. Heinich
 8. Diehl
 9. Kreuter
10. Heinrich Nell
11. Heinrich Schmidt
12. Heinrich Eckhardt
13. Edgar Schott
14. Friedrich Schmidt
15. Otmar Schmidt
16. Alfred Lehmann
17. Norbert Lehmann
18. Alexander Zell